Es liegt in unserem Instinkt, unsere Kleinsten vor möglichen Gefahren zu schützen. Leider neigen viele Eltern dazu, ihnen aus diesem Grund nichts zuzutrauen. Lernen sie das Stehen und später das Gehen, werden sie teilweise mit Helm und Knieschonern ausgestattet, nur damit sie sich keine Verletzungen zuziehen. Aber gehört es nicht zu einem normalen Entwicklungsprozess dazu, auch einmal hinzufallen? Im Laufe des Lebens werden wir immer wieder in Situationen geraten, wo wir hinfallen, ohne dass uns gleich jemand zur Seite springt. Auch unser Nachwuchs muss eigene Erfahrungen machen. Wie sollen sie lernen, mit gefährlichen Gegenständen umzugehen, wenn sie diese nie in die Hand gedrückt bekommen haben? Irgendwann kommen sie zwangsläufig mit Messern oder auch schärferen Werkzeugen in Berührung.
Das heißt ja nicht, dass wir ihnen das Messer in die Hand drücken sollen und uns anschließend aus dem Staub machen. Im Gegenteil: Wir als Eltern sollten sie auf diesem Weg begleiten und mit den Grundregeln vertraut machen, was den Umgang mit dem Schnitzmesser anbelangt. Auch der Eltern-Kind-Zeit kommt diese Beschäftigung zugute. Dadurch wird gleichzeitig die Eltern-Kind-Beziehung ausgebildet und diese Beziehung ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich unser Sohn oder unsere Tochter später im sozialen Bereich verhält.
Sprösslinge, die häufig mit Smartphones in Berührung kommen, sind anfälliger für Sprachentwicklungsstörungen, Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen. Eine gestörte Konzentration kann sich dabei auf Schulnoten gravierend auswirken, zudem werden es betroffene Schüler im späteren Berufsleben schwerer haben, Fuß zu fassen. In den meisten Berufen werden eine hohe Konzentrationsspanne und Durchhaltevermögen vorausgesetzt.
Nebenbei tun sich Eltern selber auch etwas Gutes, da unkonzentrierte Kids Eltern in den Wahnsinn treiben können. Hier kann das Schnitzen Abhilfe schaffen und der inneren Unruhe entgegenwirken. Aber auch die Feinmotorik und die Grobmotorik werden ausgebildet.
Warum sind grobmotorische Fähigkeiten wichtig? Sind Störungen in diesem Bereich vorhanden, wirken Betroffene auf Außenstehende tollpatschig, sie fallen häufiger über ihre eigenen Füße und auch Unfälle häufen sich. Nebenbei haben sie Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten und auch durch einen unsicheren Gang fallen sie auf. Feinmotorische Schwierigkeiten machen sich hingegen eher durch Schreibschwierigkeiten bemerkbar. Betroffene haben oft eine unleserliche Schrift und können verschieden Tätigkeiten beim Basteln nicht ohne Hilfe ausführen.
Beide Eigenschaften sind von essenzieller Bedeutung. Wurden diese in jungen Jahren nicht ausreichend geschult, können sie später nur durch ergotherapeutische Maßnahmen gefördert werden. Soweit muss es nicht kommen. Dem können Eltern entgegenwirken, indem sie zu Schnitzmesser und Holzrohlinge greifen, wodurch genau diese Kompetenzen unterstützt werden können.
Kommen sie in Kontakt mit dem Holz und machen die Erfahrung, dass etwas Einzigartiges durch ihre Fähigkeiten entsteht, wird auch das Durchhaltevermögen geschult. Nehmen wir als Beispiel noch einmal das Spielzeug: Vorgefertigte Bausteine, Figuren oder anderweitige Gegenstände haben die Eigenschaft, schnell Langeweile entstehen zu lassen. Beim Schnitzen schaut die Situation anders aus: Das Durchhaltevermögen ist von Beginn an ausgeprägter, weil sie sehen, dass sich ein Rohling durch ihr Zutun schrittweise in ein kleines Kunstwerk verwandelt. Diese Erkenntnis führt zu einem Erfolgserlebnis, das sie dazu animiert, am Ball zu bleiben. In der Konsequenz sind sie weniger ablenkbar und konzentrieren sich ausschließlich auf diese Tätigkeit.
Der Umgang mit Naturmaterialien fördert die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein.
Kinder brauchen das Gefühl, dass wir ihnen Dinge zutrauen. Natürlich sollten wir als Eltern den Rahmen so gestalten, dass keine ernsthaften Verletzungen passieren können. Wie bereits oben erwähnt, liegt es an den Eltern, diese Beschäftigung zu begleiten und ihnen alle notwendigen Grundregeln im Umgang mit dem Schnitzmesser beibringen.
Durch das Schnitzen trägt das ihr Nachwuchs auf einmal Verantwortung und wird nicht mehr auf jedem Schritt begleitet. Die eigenen Stärken rücken klarer ins Bewusstsein, – ein Gefühl, das von Freude und Stolz begleitet wird. Nicht weit entfernt ist die Stärkung des Selbstbewusstseins. Beim Schnitzen erleben die Kleinen erste Erfolgserlebnisse – und diese sind bei der Ausbildung des Selbstwertgefühls von elementarer Bedeutung. Nur wer regelmäßig Erfolge erzielt, hat Vertrauen in die eigenen Talente und Kompetenzen. Durch das Schnitzen können wir auf einfachem Weg dazu beitragen, dass unsere Kleinsten die eigenen Stärken erkennen und diese aktiv nach außen tragen.
Bei Lindenholz handelt es sich um ein sehr weiches, elastisches und beständiges Holz, das sich besonders für Anfänger eignet. Bei den Farbtönen sind von gelblichen Tönen bis zu einem leichten Rosa alle Kombinationen möglich, wobei beachtet werden sollte, dass die Farbe mit der Zeit etwas nachdunkelt.
Mit diesem Holz können die Kleinsten Figuren bis zu einer Größe von 30 cm anfertigen. Das Besondere an dem Holz ist, dass durch die elastische und weiche Beschaffenheit dieses Materials auch kleinere Details wunderbar bearbeitet werden können.
Bei Ahorn handelt es sich um eine härtere Holzart. Es ist ein mittelhartes Holz und ist aus diesem Grund nicht so leicht zu bearbeiten, wie das beim Lindenholz der Fall ist. Das Schnitzen mit dieser Holzart setzt aus diesem Grund Erfahrung und einen sicheren Umgang voraus. Die Farben sind eher sehr hell bis cremefarben. Aus diesem Grund können die Holzstücke gut bemalt oder gebeizt werden.
Zirbelholz ist ein weiteres Weichholz, das von der Zirbelkiefer stammt. Bei dieser Holzart sind viele Ästelungen vorhanden, andererseits besticht sie durch einen besonders aromatischen Duft. Diese Düfte sind es, die das Holz vor Schimmelbefall bewahren und Schädlingen keine Angriffsfläche bieten. Rohlinge sind in gelblichen Farbtönen bis rötliche Nuancen verfügbar. Bedacht werden sollte außerdem, dass Ahorn Holzstücke stark nachdunkeln.
Schnitzen vereint die wichtigsten Kompetenzen, die von Kindesbeinen an von großer Bedeutung sind. Gerade gegen Langeweile kann das Bearbeiten von Holzrohlingen eine fördernde Stütze sein, da hier bestimmte Gehirnareale aktiviert werden müssen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Auch in der Montessori-Pädagogik ist das Schnitzen bereits zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Den Kleinen werden nur Hilfestellungen gegeben, alles andere wird ihnen und ihrem Geist überlassen – eigene Kräfte werden mobilisiert und die Entwicklung nachhaltig gefördert.